Geld braucht keinen Staat

aus: Geld in einer Wirtschaft ohne Banken: Irland im Jahr 1970 (Econlittera)

Die irische Bankenschließung zeigt, dass der offizielle Schnickschnack aus Banken, Kreditkarten und feierlich gedruckten Banknoten mit unvergesslichen Insignien nicht das Wesentliche des Geldes ist. All dies kann verschwinden, und doch gibt es weiterhin Geld: ein System von Guthaben und Schulden, das sich unaufhörlich ausdehnt und zusammenzieht, wie ein schlagendes Herz, und den Handelsverkehr aufrechterhält. Das Einzige, was wirklich wichtig ist, sind Emittenten, die in der Öffentlichkeit als kreditwürdig gelten, und eine hinlänglich breite Überzeugung, dass ihre Schuldverschreibungen von Dritten akzeptiert werden. Staaten und Banken fällt es im Allgemeinen leicht, diese beiden Kriterien zu erfüllen; Unternehmen und erst recht Privatpersonen dagegen nicht. Aber wie das irische Beispiel zeigt, gelten diese Faustregeln nicht uneingeschränkt. Wenn die staatliche Geldordnung zerfällt, ist die Gesellschaft erstaunlich erfolgreich, wenn es darum geht, eine Alternative zu improvisieren.

6 Kommentare zu „Geld braucht keinen Staat

  1. Wiewohl der Spruch „Geld braucht keinen Staat“ nicht von der Hand zu weisen ist, so falsch ist, glaube ich, dessen Umkehrung. Aber da der Staat ohnehin nur das Machtinstrument der jeweils herrschenden Klasse ist, spielt es keine große Rolle, welcher Mittel sich der Staat bedient, um die Macht des Kapitals gegenüber jenen durchzusetzen, die, um überleben zu können, gezwungen sind, ihre Arbeitskraft zu verkaufen.

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    1. Ich sehe, dass Geld- und Finanzpolitik dazu dienen, politische Programme aller Arten zu finanzieren. Ich weiß nicht, ob es auch darum geht, die Mittel- und Unterschicht zu knechten, bzw. finanziell auszutrocknen. Angesichts der weithin verbreiteten Ansicht, dass die Erde überbevölkert ist, dass die Ressourcen endlich sind und „bald“ ausgehen werden und dann da noch die Sache mit dem Klimawandel, der früher mal Globale Erderwärmung geheißen hat, scheint es nicht unmöglich, dass machtvolle Eliten es darauf absehen, die menschliche Population auf diese Weise zu verkleinern. Den Leuten finanzielle Kraft zu nehmen, würde ja auch die CO2-Bilanz senken. In jedem Fall scheinen Geld- und Finanzpolitik die „friedlichsten“ Methoden zu sein, um politischen Willen durchzusetzen.

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      1. Schon möglich, doch wie soll das gehen? Das Anliegen, z.B. auch ökologische Programme finanzpolitisch zu stärken, ist sicher eine noble Sache, Die Frage ist nur, wer macht eigentlich Politik, wenn nicht diejenigen, die sowohl die Macht als auch das Geld dafür haben? Demokratisch scheint mir das nicht lösbar zu sein.

        Bei der Masse der mittlerweile völlig unkontrollierbar angehäuften (und verpulverten!) Reichtümer dürfte es doch ein leichtes sein, mindestens die doppelte Anzahl der Erdbewohner mit dem Nötigsten zu versorgen.

        Dies setzte allerdings voraus, daß man denen, die über derart gewaltige Machtmechanismen verfügen, ihre Privilegien entzieht. Und das wird so einfach nicht gehen. Friedlich – ja, doch ganz sicher nicht ohne Gewalt!

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        1. Ich bin auch der Meinung, dass bei dem heutigen Reichtum – sogar global gesehen – die ganze Welt ohne Probleme leben könnte. Ich gehöre zu denen, die denken, dass sich die Probleme nicht mit den Mitteln der Umverteilung und der Geldmengenerweiterung lösen lassen. Noch weniger mit „Nachhaltigkeit“. Zentralbankensysteme sind in meinen Augen, diese gewaltigen Machtmechanismen, die mit ihrer Politik vor allem denen nutzen, die bereits Geld haben, bzw. die erfolgreich Strukturen aufgebaut haben, die im Dienste der momentanen Ideologien arbeiten. Und ja, ich denke auch, dass die nicht einfach so ihre Privilegien aufgeben werden, weil es Gegenargumente gibt. Das wäre so, als würden die Angehörigen des jetzigen politischen Systems das System aufgeben würden, wenn es 0 % Wahlbeteiligung gäbe. Ein friedlicher Systemumbau aus Einsicht einer großen Mehrheit der Menschen ist mir ganz klar am liebsten.

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